| Bericht von Jane |
| Donnerstag, den 27. August 2009 um 12:50 Uhr |
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XCM Weltmeisterschaft 2009, Stattegg (Graz)
Freitag, 21. August 2009 5.00 Uhr – Endlich geht’s los! Nach einem kurzen Frühstück fahren mein Dad, Markus und ich mit dem VW Bus los in Richtung Salzburg, wo wir meine Mutter abholen. Die Fahrt ist relativ flüssig und gegen 17.00 Uhr kommen wir in unserer Pension in Weinitzen an. Wie immer sind die Österreicher super freundlich und wir fühlen uns sehr willkommen. Wir fahren gleich nach Stattegg weiter wo die Eröffnungsfeier stattfindet. Ich werfe schon mal einen Blick auf die Starterliste... Es ist wenig los und irgendwie sind alle müde vom Autofahren sodass wir zum Hotel zurückfahren um gemütlich was zu essen. Normalerweise schlafe ich nicht wahnsinnig viel aber um 21.15 Uhr bin ich todmüde. Schlaf! Samstag, 22. August 2009 Irgendwie schaffe ich es 10 Stunden zu schlafen und bin immer noch nicht ganz wach. Markus und ich schicken meine Eltern nach Graz während wir einen Teil der Strecke besichtigen wollen und die Feed Zones anfahren möchten. In Stattegg treffe ich Sally Bigham, meine Teamkollegin. Sie weiht mich in die Schlüsselstellen der Strecke ein. Da Regen vorausgesagt wird, ist sie etwas beunruhigt. Sie hat ein paar Tage zuvor die ganze Streckea bgefahren und warnt mich. Es gäbe sehr heikle Stellen. Ja was kann schon sehr schwer bedeuten? Die Schweizer Marathons sind stellenweise auch relativ technisch. Sie sagte, dass sogar Alban Lakata (Topeak Ergon Team) nichts riskieren würde. Also selbst die top Fahrer hatten Respekt. Nachdem Markus und ich einige Streckenabschnitte abgefahren hatten war ich doch ein wenig ängstlich. Wurzeln, nasse Erde und rutschige Steine würden mir das Leben schwer machen. Die Feed Zones waren relativ leicht zu finden aber deren Anfahrtswege ein wenig kompliziert. Schon wurde ich nervös und ungeduldig. Derweil hatten meine Eltern einen schönen Tag in Graz erlebt und ich war froh, dass sie nicht den ganzen Tag auf uns warten mussten. Gegen 16.00 Uhr fing es dann doch noch an zu regnen und zwar in strömen bis um 23.00 Uhr. Ändern konnte ich eh nichts mehr und wieder war ich kurz nach 21.00 Uhr selbst für TV zu müde (das kommt vor Wettkämpfen sehr selten vor!).
Ungewohnt spät konnte ich aufstehen. Nach wiederum 10 Stunden schlaf kroch ich um 6.30 Uhr aus dem Bett. Der Start war um 10.45 Uhr und so hatte ich noch viel Zeit. Mir war speiübel. Der blaue Himmel hatte sich wieder zurückgemeldet und so konnte ich mich gar nicht beklagen. Um 9.00 Uhr waren wir in Stattegg und die Atmosphäre war super. Überall Biker in ihren Nati-Trikots – jetzt bin ich also hier...besser geht’s nicht mehr! Ich wärmte mich wie alle anderen im ersten Streckenabschnitt auf. Die Strasse rauf und wieder runter – etwa 3 oder 4 mal. Christoph Sauser, Roel Paulissen, Alban Lakata, Esther Süss, Sabine Spitz, Gunn-Rita Dahle und und und waren ebenfalls dabei, sich aufzuwärmen. Ich kam mir wie ein kleiner Fisch vor! Die Einreihung nach Startnummern war auch eindrücklich. Jede Fahrerin wurde einzeln aufgerufen und ich kam in die 3. Reihe. Die Nervosität schwand und ich versuchte mich zu konzentrieren. Startschuss! Der erste Aufstieg war extrem Steil aber es galt möglichst gut wegzukommen um im anschliessenden Singletrail ungestört fahren zu können. Eigentlich lief alles gut – bis ich wegen einer Fahrerin kurz abbremsen musste und ausrutschte. Mein Schuh löste sich nicht vom Pedal und als ich daran riss und der Schuh endlich raus war, steckte das cleat im Pedal! Ohne Fixierung am Pedal würde es unmöglich sein, den Marathon zu bestreiten. Ruhe bewahren. Nach einem lauten "Scheisse" fuhr ich irgendwie weiter. Bei KM23 würde ich Markus bei der Verpflegung sehen und zum Glück hatte ich ein 2. Paar Schuhe im Auto! In der Feed Zone schrie ich nur "Schuhe, Schuhe!" Innerhalb von 1 Minute hatte Dave (Sally’s Freund) das cleat aus dem Pedal entfernt und Markus hatte mir neue Schuhe gebracht. Weiter geht’s! (Eine Deutsche Fahrerin wunderte sich später darob, dass ich auf Deutsch geflucht hatte. Nach einer kurzen Erklärung über meine Herkunft war ihr dann alles klar :o) Die Aufholjagd gestaltete sich relativ einfach. Ich hatte richtig gute Beine und konnte im Aufstieg Fahrerin um Fahrerin überholen. In den flachen Zwischenstücken konnte ich voll Schub geben (Rennradtraining zahlt sich aus!). Ich setzte mich mit der Spanierin ab und wir spendeten uns abwechslungsweise Windschatten. Im Aufstieg musste sie mich ziehen lassen und auf der Anhöhe hatte ich sie bereits distanziert. Kurz vor der Feed Zone 4 war noch der 'Bürgermeister-Trail' zu bewältigen. Eine kurze ca. 300m lange Abfahrt, bei der sich jedoch wegen dem Regen in der Mitte eine Fahrrinne bildete. Roel Paulissen und ein Russe überholten mich kurz vor diesem Trail und da wusste ich, dass ich Gas geben muss. Keinesfalls wollte ich im Trail stecken und die top Männer im Nacken haben! Sauser fuhr noch an mir vorbei aber ich hatte es geschafft. Mein Dad wartete bereits mit Bidon-Nachschub und meine Mum schwenkte die Schottland Fahne! So lässt es sich gut biken! Jetzt war der lange Aufstieg zur Schöckl-Bergstation zu bewältigen. Der Weg war durch das lose Gestein sehr technisch was ganz nach meinem Geschmack ist. Viel Muskelkraft war gefragt und die hatte ich! Immer wieder wurde der Aufstieg durch einen technischen Downhill unterbrochen. Mit dem Adrenalin meisterte ich diese ohne Sturz und ich fing an das ganze so richtig zu geniessen. Als ich kurz vor dem Schöckl Sally sah, wusste ich, dass ich zeitlich gut unterwegs bin. Sogar Karin Schwing hatte ich wieder eingeholt. Die Abfahrt vom Schöckl war dann definitiv hammerhart. Eine Schüttelbecher-Abfahrt, bei der ich meinem leichten Credo alles abverlangen musste. Ein wenig Risiko musste ich eingehen um die Schwedin zu überholen aber der Plan ging auf. Danach war ich relativ alleine unterwegs. Immer wieder sah ich die Deutsche Karin vor mir, die in den Abfahrten relativ unsicher war. Ein paar Mal mussten wir das Bike noch nasse Rampen hinauf stossen, was aber eher eine angenehme Abwechslung war. Am letzen Verpflegungsposten versorgte mich Markus mit Cola und befahl mir schneller zu fahren. Meine Durchfahrt in der Feed Zone sah wohl allzu gemütlich aus! Nach einem längeren Teilstück auf Asphalt kam dann der 'Gustl’s Trail'. Diesen Trail würde ich unter normalen Umständen wohl nicht fahren – Fast überhängend und abschüssig mit vielen Wurzeln ging es ca. 20m das Loch runter in einen Singletrail. Dieser erinnerte mich stark an den Massa Marittima Trail in der Toscana. Cool dachte ich und genoss es die (fast) Steilwandkurven runter zu biken. Einige Male schloss ich noch zur Deutschen auf, beschloss aber nichts zu riskieren und fuhr dann unbedrängt als 16. über die Ziellinie. Ich war so froh, dass ich alle Trails gemeistert hatte und keine offenen Brüche oder dergleichen hatte. Meine Mum und mein Dad waren noch aufgeregter als ich. Im Ziel gab es dann viel zu erzählen. Schade, liegt Graz so weit weg – diese Trails würde ich gerne nochmals fahren!
Im Ziel gab es dann viel zu erzählen. Schade, liegt Graz so weit weg – diese Trails würde ich gerne nochmals fahren! Happy Trails! Jane Nüssli |

